Freitag, 18. November 2016

Rezension: Bombennacht von Roman Rausch *****

16. März 1945, der Krieg ist verloren, der deutsche Widerstand gebrochen. Das fränkische Würzburg ist zu einem riesigen Lazarett und zum Zufluchtsort für tausende Menschen geworden, deren Heimat längst zerstört ist.
In der wunderschönen Stadt am Main mit über 1000-jähriger Geschichte und äußerst wertvollen Kulturgütern beginnt ein sonniger Frühlingstag und die Menschen blicken voller Hoffnung in die Zukunft. Die Alliierten würden sie nun sicher verschonen, zumal Churchill hier studiert hat.
Fanny, eine junge Krankenschwester, arbeitet in der längst zum Lazarett umfunktionierten Nervenklinik bei ihrem großen Vorbild Dr. Werner, als ein seltsames Mädchen auftaucht und schwere Vorwürfe gegen ihn erhebt. Vinzent hat Ärger mit den Mietern in seinem Haus und Paul, ein jüdischer Klavierlehrer, soll eine bekannte NS-Sängerin in einem ebensolchen Haushalt bei einer Geburtstagsfeier am Klavier begleiten, während er und ein Zwangsarbeiter in dieser Nacht fliehen wollen.
Zeitgleich plant die Royal Air Force jedoch einen unbarmherzigen Bombenangriff, bei dem die Perle am Main nahezu dem Erdboden gleichgemacht wird. 


 "Bombennacht" von Roman Rausch basiert auf Fakten sowie Aussagen von Zeitzeugen und lässt den Leser durch das Schicksal fiktiver Charaktere noch intensiver am Drama um Würzburg teilhaben.

Der Erzählstil ist flüssig, man fühlt sich gleich mitten im Geschehen. Jedes Kapitel stellt eine Stunde des dunkelsten Tags in der langen Geschichte der fränkischen Bischofsstadt dar. Der Leser weiß somit immer genau, dass er sich der Bombennacht unausweichlich nähert, was den Spannungsbogen stetig ansteigen lässt. Der wiederholte Wechsel der Perspektiven trägt dazu noch enorm bei.

Dieses Buch hat mich von Anfang bis Ende gefesselt, tief beeindruckt und auch ziemlich aufgewühlt. Ich hatte mehrfach Gänsehaut beim Lesen und musste auch ein paar Tränen verdrücken, denn das unvorstellbare Leid und Elend der Menschen damals und die Grausamkeit des Angriffs haben mich sehr bedrückt.
 
Ich ziehe meinen Hut vor der Leistung von Roman Rausch, der die Geschehnisse des 16. März 1945 einfach perfekt niedergeschrieben hat. Nicht nur jeder Würzburger sollte dieses Buch einmal gelesen haben.


  • Erscheinungsdatum Erstausgabe: 26.09.2016
  • Aktuelle Ausgabe: 26.09.2016
  • Verlag: Echter
  • ISBN: 9783429038854
  • Fester Einband 340 Seiten
  • Preis: 14,90 Euro

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